Tag und Nacht und auch im Sommer

Den ersten Teil der Autobiographie von Frank McCourt „Die Asche meiner Mutter“ habe ich sehr gerne gelesen. McCourt hat in einer Sprache, die nichts beschönigte, über seine Kindheit in Irland geschrieben. Den zweiten Teil seiner Autobiographie „Ein rundherum tolles Land“ handelt von seinen ersten Erlebnissen in Amerika und wie er dort weiterhin aufwuchs. Nun hatte ich vor etwa einem Jahr auch „Tag und Nacht und auch im Sommer“ von McCourt gelesen, in dem es um seine Arbeit als Lehrer in Amerika geht. Dieser Roman ist eher in Form von Erinnerungen aufgebaut, die einzelne Erlebnisse und Situationen beleuchtet. Da ich in jener Zeit mitten im Referendariat war und selbst in der direkten Ausbildung zur Lehrerin, empfand ich das Buch als besonders interessant. Doch erst einmal zum Klappentext:

„Dreißig Jahre hat Frank McCourt an New Yorker Schulen unterrichtet. Hat versucht, launische, genervte oder aufsässige Schüler zu fesseln und ihre Herzen zu gewinnen, mit den unkonventionellsten Methoden, was ihm oft Ärger mit den Vorgesetzten einbrachte. Vor allem jedoch hat er ihnen Geschichten erzählt, Geschichten aus seiner Kindheit, aus Irland, aus seinem leben – und verblüfft festgestellt, dass die Kinder immer mehr hören wollten. In der Schule, vor seinem strengsten Publikum, hat McCourt gelernt, dass man seine Zuhörer ernst nehmen muss, wenn man sie erreichen will. Hier hat er gelernt, sie mit der ihm eigenen Mischung aus Witz und Selbstironie, Offenheit und Lebensweisheit zu fesseln. Und hier hat er erstmals zum Erzählen einer Lebensgeschichte gefunden, die ihn später mit „Die Asche meiner Mutter“ weltberühmt machte.“

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Zum größten Teil muss ich sagen, dass der Klappentext die Erinnerungen sehr gut zusammenfassen. Der Schreibstil von McCourt beinhaltet einen erzählerischen Ton, so dass der Leser dem Inhalt gut folgen kann. Jedoch hat er es nicht geschafft, mich damit mitzunehmen. Die Distanz zu Leser hat er nicht geschafft damit aufzuheben. Ebenso kamen der im Klappentext angeführte „Witz“ und die „Selbstironie“ nur selten bei mir an. Diese hätten die Lektüre eindeutig aufgewertet.

Am Inhalt fand ich einige Situationen, die er geschildert hatte zum Schmunzeln. Zum Beispiel wie die Schüler ihm erst auf der Nase herumtanzten und wie er es dann geschafft hat, seine eigenen Rituale mit den Schülern zu entwickeln. Ein anderes Beispiel ist der Deutschunterricht. Die Schüler murrten immer, wenn es um das Schreiben von Aufsätzen ging oder natürlich beim Grammatikunterricht, der auch heute vielen Schülern wenig Spaß macht. Hier schildert er gut von seinen Schwierigkeiten und wie er ad hoc, im Klassenzimmer und an der Tafel stehend die Vermittlung des Unterrichtsinhaltes an die Schüler anpasste, damit sie motiviert lernten.

Vergleicht man das Geschehen im Klassenzimmer von damals zu heute, zeigte sich mi deutlich, dass wir heute in einer anderen Zeit leben. Insbesondere was die Rahmenbedingungen und die Lehrstil angeht. Die Schüler, wage ich zu behaupten, haben sich kaum geändert und sich nur den Möglichkeiten der heutigen Zeit angepasst.

Fazit: „Tag und Nacht und auch im Sommer“ ist eine nette Sammlung von Erinnerungen aus McCourts Lehrerzeit. An den eindringlichen Stil von „Die Asche meiner Mutter“ kann McCourt aber nicht anknüpfen. Das hatte er schon mit „Ein rundherum tolles Land“ nicht wirklich geschafft. Daher kann ich keine Empfehlung aussprechen. Jedoch empfand ich die Lesezeit an dem Buch nicht als Verschwendung. Wer einmal zu einem Frank McCourt greifen möchte, dem empfehle ich den ersten Teil seiner Autobiographie.

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