Feuerland – Märzrevolution in Berlin

Heute möchte ich euch den neusten historischen Roman von Titus Müller vorstellen. Als Jugendliche habe ich einen seiner ersten Romane „Die Priestertochter“ vom Grabbeltisch mitgenommen. Seitdem habe ich mir jeden Roman von ihm sogleich gekauft. In meinen Augen veröffentlicht Titus Müller nicht nur gut recherchierte Geschichten, sondern kann sie auch noch unterhaltsam schreiben.

In seinem neusten Roman „Berlin Feuerland“ wagt sich Titus Müller in das Jahr 1848 vor, mitten hinein in die Märzrevolution. Dieser Aufstand wird in der Schule eher kurz abgehandelt, da die Französische Revolution im ausgehenden 18. Jahrhungert eine viel größere Auswirkung hatte. Jedoch ist die ‘48er Revolution für Deutschland nicht so ganz ohne Bedeutung. Das Volk begehrte gegen Missstände auf und forderte mehr Freiheiten, so zum Beispiel in der Presse. Und ein Aufbegehren gegen schlechte Arbeitsbedingungen und zu niedrige Löhne sind momentan aktuell wie lange nicht mehr.

Im Jahr 1848 regiert König Friedrich Wilhelm der IV. über Preußen und die Kluft zwischen armer und reicher Bevölkerung ist stark zu spüren. Die Schere beginnt immer weiter auseinander zu klaffen.

Soviel verrät bereits der Klappentext über den Roman:
„Hannes Böhm lebt in dem Industrieviertel, das die Berliner Feuerland nennen, weil hier die Schornsteine der Industrie qualmen. Als eine Art selbst ernannter Fremdenführer verdient er sich ein kleines Zubrot, indem er neugierigen Bürgern die Armut und die Not in den Hinterhäusern zeigt. Bei einer solchen Gelegenheit lernt er Alice kennen, die als Tochter des Kastellans im Berliner Stadtschloss wohnt, der Frühlingsresidenz des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. Alice ist schockiert über das Ausmaß der Verelendung – und zugleich tief beeindruckt von Hannes, der voller Ehrgeiz und Phantasie zu sein scheint.
Doch als die Märzunruhen 1848 ausbrechen, als sich der Konflikt zwischen dem preußischen König und den Aufständischen zuspitzt und gemäßigte Kräfte nur schwer Gehör finden, scheint es für die Gefühle, die Hannes und Alice füreinander entwickeln, keine Zukunft mehr zu geben.“

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Die Liebesgeschichte von Hannes und Alice verbindet die beiden Gesellschaftsschichten. Auf er einen Seite der Arbeiter, der von der Hand im Mund lebt, und auf der anderen Seite die Bürgerin, die ein gutes Leben führen kann und keine Sorgen hat, möglicherweise hungern zu müssen. Dabei steht die Geschichte der beiden nicht kitschig im Vordergrund. Die Figuren sind authentisch gezeichnet und fügen sich wunderbar in das Bild ein, das Müller von Berlin zeichnet. Einem Berlin, das bereit ist, seine Rechte einzufordern. Und in diesem Berlin leben die beiden. Hannes, der den Wunsch auf ein besseres Leben hat, aber genau weiß, dass er es eigentlich nicht schaffen kann. Trotzdem hält er an dem Gedanken fest, indem er immer wieder ein paar Artikel im Fremdwörterbuch liest. Alice hingegen ist freiheitsliebend und fügt sich nicht immer in das gut bürgerliche Leben ein, das ihre Mutter fordert. Sie liebäugelt mit der Chance gesellschaftlich aufzusteigen, jedoch versucht sie viel stärker ihre wahren Gefühle und Gedanken zu verstehen und diese zu leben. Anhand dieser beider Leben zeichnet Müller ein Porträt der Lebenswelten der beiden Figuren, die den Leser in die fremde Zeit mit hineinziehen.

Der Höhepunkt der Geschichte, die Märzrevolution selbst, wird gut aus mehreren Perspektiven dargestellt. So bleibt dem Leser nicht nur die Sicht der beiden Liebenden. Vielmehr versucht Müller dem Leser die Revolte wie ein Puzzle darzustellen, das aus vielen unterschiedlichen Teilen zusammengesetzt wird, aber später ein Bild ergeben wird. Denn die Sichtweise von Alice Eltern, deren Bruder, Humboldt, dem König, weiteren einfachen arbeiten, dem Militär und Hannes Freund, der zu den Anführern des Aufstandes gehört, wird wiedergegeben. Möglicherweise habe ich hier noch eine Sichtweise vergessen, aber dafür solltet ihr selbst diesen Roman in die Hand nehmen.

Im Anschluss an die Geschichte erläutert Titus Müller in einem Nachwort, was er in seiner Recherche zu dem Thema Märzrevolution herausgefunden hat. Dieses Nachwort ist sehr lesenswert und verweist auf die genaue und gewissenhafte Arbeitsweise, die Müller an den Tag legt, wenn er in einem Roman in eine neue Zeit und in ein neues Ereignis abtaucht.

Mein Fazit:

Dieser Roman ist für etwas jeden, der historische Romane mag. Müller schreibt lehrreich und unterhaltsam in einer eher schnörkellosen Sprache. Sein Stil beeindruckt in erster Linie mit kleinen Beobachtungen, die die Protagonisten machen und die die Umgebung für den Leser immer realer erscheinen lässt. Dieser lesenswerte Roman ist ein Mosaik, das sich nach und nach zur Märzrevolutionen und dessen aktiven und stillen Teilnehmern zusammensetzt.

P.S.: Ich möchte euch den Trailer zu dem Buch nicht vorenthalten, in dem der Autor selbst zu Wort kommt.

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