Der Übergang – Justin Cronin

Die umfangreichen Romane von Justin Cronin haben in Buchhandlungen schon häufig meinen Blick auf sie gezogen. Das Cover mit blassen Gesichts eine Mädchens, das diese blauen Augen hat und das Buch, dessen Ränder dank der Covergestaltung abgenutzt wirken, ließen mich das Buch zur Hand nehmen und den Klappentext studieren. Es handelt sich um eine Dystopie, die der Beginn einer Trilogie ist. Als ich dann auf einem Grabbeltisch den zweiten Band günstig erstanden hatte, drängte es mich endlich mit der Lektüre anzufangen und ich kaufte mir noch den ersten Band.

Doch komme ich für euch zum Klappentext:

„Das Mädchen Amy ist gerade einmal sechs Jahre alt, als es von zwei FBI-Agenten entführt und auf ein geheimes medizinisches Versuchsgelände verschleppt wird. Man hat lange nach Amy gesucht: der optimalen Versuchsperson für ein mysteriöses Experiment, das nichts Geringeres zum Ziel hat, als Menschen unsterblich zu machen. Doch dann geht irgendetwas schief – völlig schief. Von einem Tag auf den anderen rast die Welt dem Untergang entgegen. Und nur eine kann die Menschheit vielleicht noch retten: Amy Harper Bellafonte.“

mde

Der Roman startet mit einer Expeditionsgruppe, die im südamerikanischen Dschungel ein interessantes Virus entdeckt. Doch diese Expedition steht schon unter keinem guten Stern. Dennoch wird weiter mit dem Virus experimentiert. Denn der Ausblick auf eine mögliche Unsterblichkeit des Menschen erscheint lohnenswert, egal zu welchem Preis. Die genannten Motive finde ich durchaus nachvollziehbar und gar nicht mal übertrieben, ebenso wie man heutzutage nicht wissen kann, was der Mensch im Dschungel noch alles an Lebewesen, Heilsubstanzen, aber auch an Bakterien und Viren in der Zukunft zu finden mag.

Das Programm, in dem das Virus weiterentwickelt wird, wird nach und nach beschrieben und in einem zweiten Erzählstrang verfolgt der Leser währenddessen Amys Geschichte. Wie sie selbst zum Forschungsobjekt wird und wie schließlich aus der Welt wie wir sie kennen ein dystopisches und lebensfeindliches Amerika wird.  Denn ein Virus ist immer noch ein Virus und bis das Ziel erreicht wird, gibt es auch viel Abfall und unerwünschte Wirkungen, die bei den Experimenten zutage treten. Es ist nur schlecht, wenn diese Experimente noch leben und nach Freiheit hungern…

Das Spannende ist, dass Cronin den Leser an vielen Entwicklungen teilhaben lässt und nicht nur Amy als eine wichtige Figur verfolgt. Nur so schafft er es aber auch, mich als Leser gefangen zu nehmen und in dieser Welt zu leben. Selbst, als er dann einen Sprung von vielen Jahren macht, in denen einige Menschen nur noch in gesicherten Kolonien überleben können und Amy wieder auf die Bildfläche kommt. Es ist eine Welt, in der ich nicht leben wollte, die mich eher vor Schrecken gefangen nimmt, die einen hoffen lässt, dass es doch noch eine gute Wendung gibt, wie auch immer. Irgendwann im Verlauf der Geschichte bildet sich eine Gruppe von Menschen, die genau das versucht. Einen Weg zu finden, den Schrecken zu trotzten und ihn zu verringern. Dabei sind sie aber keine reine Schlägertruppe, sie sind eher Abenteurer, die sich ansehen, was das Virus mit ihrem Land gemacht hat und die überleben müssen.

Auch hier verharrt der Erzähler nicht bei einer Figur, sondern wandert zwischen den Figuren hin und her. Diese vermehrten Erzählstränge, die dem Leser viele Einzelschicksale näher bringen, machen auch den Umfang des Romans aus. Aber ohne diese, wäre das Buch auch weniger lesenswert.

Die Sprache von Chronin ist leicht lesbar.  Er liefert viele gute Beschreibung, die regelrecht einen inneren Film vor meinen Augen zum Leben erweckte. Einen Film voller Schrecken und Leid, den ich aber nicht ausschalten wollte. Denn die Figuten sind mir ans Herz gewachsen, dank Cronins guter Charakterzeichnung.

Fazit: Cronin liefert mit „Der Übergang“ eine gelungenen Beginn einer Dystopie. Er wählt dabei ein gut durchdachtes Szenario, bei dem von der Entdeckung des Virus über das Motiv der Regierung alles nachvollziehbar ist. Einzig an den Auswirkungen des Virus könnte man Kritik üben, aber wer sich der Fiktion von Zombies, Vampiren und anderen blutrünstigen Kreaturen nicht verwehrt, der wird auch an diesem Roman seine Freude haben. Die nächsten zwei Bände der Trilogie heißen „Die Zwölf“ und „Die Stadt der Spiegel“. Wer gute Dystopien, gespickt mit etwas Einschlag aus dem Fantasybereich (wenn auch auf dem Wissenschaftsweg entstanden) mag, der liegt hiermit genau richtig. Das richtige Buch zum Gruseln an dunklen Herbst- und Wintertagen.

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