Abgekupfert – Val McDermid

Es war an einem schönen Tag nach den Seminaren. Ich schlenderte zum Bus und wartete an der Haltestelle in der Nähe eines Bücherregals, das mich magisch anzog. Ich stöberte darin herum und das kleine schmale Büchlein „Abgekupfert“ von Val McDermid fiel mir in die Hände. Ich drehte es herum und las schweigend, bevor ich es adoptierte und mit nach Hause nahm. Es war eine Adoption, die ich nicht bereut habe.

Folgendes bekam ich zu lesen, als ich das Buch umdrehte:

„Die Lady ist tough, und ihre Bücher sind es auch. Längst ist der Name Val McDermid auch in Deutschland ein Begriff für Spannung mit dem gewissen Etwas. Diese Sammlung von frühen und neueren Crime Stories, von der Autorin eigens für dieses Taschenbuch zusammengestellt, bestätigt einmal mehr das Können der Bestsellerautorin und zeigt sie als Meistern auch der kurzen Form. Unsere Garantie: Keine Geschichte ist abgekupfert! Alle Stories sind in Deutschland bisher unveröffentlicht und erscheinen hier zum ersten Mal in Buchform.“

mde

Ich muss zugeben, sehr viel über den Inhalt erfuhr ich hier noch nicht. Vielmehr wurde die Autorin angepriesen. Aber einen Versuch war es wert. Und diesen Versuch habe ich nicht bereut. Das Büchlein enthält insgesamt elf Kurzgeschichten, die sich alle unterscheiden. Jede hat ihren eigenen Reiz und keine gleicht der anderen.

  1. „Wen es trifft…“ ist eine ruhige Geschichte, die in ihrem Aufbau an klassische Detektivgeschichten erinnert. Eine Person vergiftet Lebensmittel in Supermärkten, es gibt mehrere Opfer. Doch was ist das Motiv? Darüber rätselt die Polizei und der Leser, bis das Rätsel nachvollziehbar aufgelöst wird.
  2. „Weihnachten nach alter Väter Sitte“ lädt den Leser auf einen Adelssitz ein, auf dem ein üppiges Weihnachtsmahl gegeben wird. Dabei kommt es zu Entwicklungen in der Familie, die sich schließlich in einem Unwetter entladen. Ob alle ungeschoren davonkommen?
  3. „Ein atemberaubender Missgriff“ handelt vom Albtraum eines jeden Gastronomen. Ein Gast ringt nach Luft, aber man muss auf den Arzt warten, bis ihm geholfen werden kann. Wenn die Hilfe denn noch früh genug kommt. Was man dann aber über die Hintergründe im Nachhinein erfährt, zauberten mir ein Lächeln auf die Lippen.
  4. „Abgekupfert“ beschäftigt sich mit vielen leeren Computerspielhüllen, die dem Hersteller das Leben schwer machen. Denn immer mehr Kunden beschweren sich. Doch wer vermutet schon, dass Wohltätigkeit zu derartigen Schwierigkeiten führen könnte?
  5. „Auftrag ausgeführt“ zeigt, dass ein Traumauto einem sehr viel bedeuten kann und Frauen dennoch zusammenhalten. Denn nicht immer scheint es richtig sein, was rechtens wäre. Eine schöne Lösung für den Autoliebhaber wird es jedenfalls nicht geben.
  6. „Die Schrift an der Wand“ ähnelt einem Briefroman, nur als Kurzgeschichte. Eine Frau wird von ihrem Freund geschlagen und schreibt an die Toilettenwand. Andere Benutzerinnen der Toilette antworten. Fast erinnern die Beiträge an Kommentare in sozialen Medien. Das Ende ließ mich dann nachdenklich zurück. Es gibt schon verdammt miese Situationen…
  7. „Die Verwandlung“ erzählt von einer unbekannten Begierde, die plötzlich erweckt wird. Sie hat so lange gewartet, dass sie komplett ausgekostet werden muss, man schon süchtig wird. Eine Sucht bis hin zu Eifersucht und eine Abhängigkeit, die in einem Sprung auf die schwarze Seite gipfelt.
  8. „Eine kollegiale Affäre“ erzählt von einer Masche, bei der man nicht glauben will, dass so etwas vorkommen mag. Und unter diesen Aufständen war der Aufwand auch ziemlich hoch. Der Höhepunkt der Affäre war für mich dennoch eine Überraschung. Rundum gelungen.
  9. „Wer den Wagen ins Rollen bringt“ handelt Frauen und Männern. Griesgrämige Männer, die Frauen ausnutzen. Wie sich diese Frau schließlich Rache verschafft, ohne sich ihre Hände schmutzig zu machen ist einfach genial. Chapeau!
  10. „Das Mädchen, das den Weihnachtsmann umbrachte“ ist eine sehr süße Geschichte. Sie handelt von einem Mädchen, das erst nicht an den Weihnachtsmann glaubt, am Ende aber seine Meinung revidiert. Dabei steht es Ängste durch, die mich mitgezogen haben aber auch Schmunzeln gelassen habe. Eine Weihnachtsgeschichte mit einem mutigen Mädchen, die einfach zu Herzen geht.
  11. „Auf dem Pfad der Tugend“ beschäftigt sich mit einem verzwickten Problem. Wie kann ein Langzeitkrimineller eine ehrliche Arbeit erhalten, wenn er nichts als unredliche Arbeiten vorzuweisen hat? Der Leser steigt in den Kopf des Protagonisten ein, der es schließlich schafft, eine ehrliche Arbeit zu erlangen. Das Problem ist ziemlich gut gelöst worden und ich schätze, dass es einige Leser gibt, die diese Lösung auch gutheißen würden.

Fazit: Insgesamt ist „Abgekupfert“ eine rundum gelungene Kurzgeschichtensammlung, die mir Lust auf mehr Lesestoff von der Autorin gemacht hat. Ihr Schreibstil ist sehr gut und leicht zu lesen und hat mich sogleich mitgezogen. Dabei nimmt sie auch einmal ungewohnte Blickwinkel ein, die den Leser schließlich zum Nachdenken anregen. Für jeden, der gelungene Kurzgeschichten mag, ist dieses Buch einen Kauf wert.

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